Der jüdische Bruder

(374 Seiten, ISBN 978-3-89841-498-2)
(Der Roman erschien im Jan. 2010.)

Inhalt:

Der Autor beschreibt in dem Roman ein Stück dunkle Vergangenheit im Oldenburger Land und regt den Leser zum Nachdenken an …

Der 1939 mit seiner Mutter nach USA emigrierte Jude Jacob Lewin besucht aus beruflichen Gründen mit seiner Frau Esther nach Jahren zum ersten Mal wieder Deutschland. Er erinnert sich seiner Geburtsstadt Oldenburg und seines Stiefbruders, der damals zusammen mit seinem Vater in Deutschland zurückblieb. Der Stiefvater war davon überzeugt, dass ihm von Seiten der Nationalsozialisten nichts passieren würde. Sein Vater war ein im ersten Weltkrieg hochdekorierter Offizier. Lewin sucht das prächtige Bürgerhaus auf, in das er in der Kindheit drei Jahre seines Lebens verbracht hat. In dem Haus wohnt jetzt der Möbelgroßhändler Robert Ehrmann zusammen mit seiner Ehefrau. Ehrmann bittet ihn ins Haus – um dies schon bald zu bereuen. Das Thema, das Lewin anschneidet, die verdammte Nazizeit, wird nie Ehrmanns Thema sein. Unangemehmen Fragen weicht er aus – oder er ignoriert sie. Lewins Bemerkung, dass er sich – seit er Deutschland betrat – auf die Fahnen geschrieben hat, den Versuch zu starten, unter allen Umständen seinen Stiefbruder Philipp Mendel zu finden, schmeckt Ehrmann überhaupt nicht. Muss er sich auf unruhige Zeiten einstellen?

Lewin sucht nach dem Besuch bei Ehrmann das Oldenburger Grundbuchamt und Staatsarchiv auf. Ist beim Besitzerwechsel des Hauses alles mit rechten Dingen zugegangen? Lewin stellt fest: Im Sinne der Nazis … selbstverständlich alles Gesetzeskonform! Der vernetzte Geschäftsmann Ehrmann erfährt von Lewins Aktivitäten. Er muss davon ausgehen, dass der Jude Besitzansprüche geltend machen will? Ehrmann trifft sich vorsichtshalber mit seinem befreundeten Rechtsanwalt Büschenfeldt.

Aber auch Lewin wendet sich an eine Anwaltskanzlei, in der Hoffnung, dass die Kanzlei etwas über seinen Stiefbruder erfahren kann. Die Anwaltskanzlei wird jedoch nur der Anfang sein. Die Suche nach Philipp wird Lewin durch die gesamte Republik führen. Zum Leidwesen seiner Frau Esther, die sich nie damit abfinden kann, wie verbissen Jacob Lewin sein Ziel verfolgt.

Für Ehrmann entpuppt sich der Anwalt Büschenfeldt als schlechter Ratgeber. Der Anwalt zeichnet ein düsternes Bild von dem, was Ehrmann erwarten könnte, wenn Lewin es richtig anpacken würde. Der Anwalt empfiehlt ihn, sich an die anti-jüdische Organisation ProPat zu wenden, die darauf spezialisiert ist, jüdische Ansprüche abzuweisen.

Für eine gute Provision versteht sich.

Ehrmann wird die Kontaktperson Carl Ressel vorgestellt. Unternehmerisch tätig in der Gemeinde Hatten. Ressel bietet Ehrmann einen Vertrag der ProPat-Organisation an. Mit der Maßgabe, den Juden Lewin, wie das auch immer zu verstehen ist, in die Schranken zu weisen. Ehrmann zögert jedoch vorerst mit der Unterschrift.

Die von Lewin beauftragte Anwaltskanzlei kann ermitteln, dass Lewins Stiefvater Mendel im September 1941 im Konzentrationslager Neuengamme ums Leben gekommen ist. Zuvor konnte er jedoch dafür sorgen, seinen Sohn Philipp bei Pflegeeltern in Westfalen unterzubringen. Ein Hinweis, der eine Chance bietet. Jacob Lewin stellt eine Suchanzeige in die „Westfälischen Nachrichten“. Und er hat tatsächlich Glück. Es gibt einen Hinweis auf eine Pflegefamilie. Aber als er die Adresse aufsucht, erfährt er nur Philipps  nächsten Aufenthaltsort. Der scheint immer nur weitergereicht worden zu sein. Wozu auch ein Aufenthalt in einem Waisenhaus in Dülmen gehört. Keine gute Adresse.

Die Hartnäckigkeit, mit der Lewin weiterhin seinen Stiefbruder sucht, bereitet Ehrmann schlaflose Nächte. Schließlich lässt sich Ehrmann von Carl Ressel davon überzeugen, das er wirklich nur mit der anti-jüdischen Organisation ProPat im Rücken auf der sicheren Seite ist. Aber vielleicht geht der Kelch doch noch an Ehrmann vorüber. Denn Jacob Lewin hat endlich seinen Philipp gefunden. Erschüttert steht er vor dessen Grab in Köln, der unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen sein soll. Philipp scheint ein bewegtes Leben hinter sich zu haben. Lewin findet heraus, dass Philipp verheiratet war und das Paar einen Sohn namens Daniel sein eigen nennt. Für Lewin ist es Ehrensache, dass es jetzt um Daniel geht. Was der Organisation Pro Pat sowie Ehrmann erneut Kopfschmerzen bereitet. Lewin muss mit drastischen Mitteln endlich dazu gezwungen werden, von seiner Suche abzulassen. ProPat setzt Jacob Lewin unter Druck, in dem sie seine Esther aus dem Hotel entführen und festhalten. Lewin zeigt sich schweren Herzens bereit aufzugeben. ProPat triumphiert!

Doch die Organisation hat die Rechnung ohne den jüdischen Agenten Aaron Ch. gemacht, der von Lewins Problem erfährt und ihm überraschend seine Unterstützung anbietet, um gemeinsam den Anti-Juden die Stirn zu bieten.